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22.2.2012 : 20:35 : +0100

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Gemeindebrief Weihnachten 2011

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Gemeindebrief Weihnachten 2011

Liebe Gemeinde!

Der französische Dichter Max Jacob schrieb: „Es gibt Gott, und das ist unglaublich. Gott hat eine Stirn, Lippen, ein Bett, eine Mutter, und das ist unglaublich.“

Alle weihnachtlichen Ereignisse sind durchatmet von solch Unglaublichem, einem Wunderbaren. Man muß das Große der Ereignisse empfinden, das Welterschütternde dieser Ereignisse ahnen können.

Ich bin begeistert und ergriffen, wenn Menschen, nachtlang zusammensitzend, über solche tief geistigen Geschehnisse debattieren, sich in die Haare kriegen, darüber streiten und sich wieder versöhnen. Es gehört doch zum Rätsel wie zur Schönheit des Lebens, daß wir nicht nur über Fragen der Politik uns austauschen, daß wir nicht nur dieTabellen der Fußball-Bundesliga erörtern und anstaunen, nicht nur sprechen über die schulischen Leistungen unserer Kinder, über den öffentlichen Nahverkehr uns ärgern, über Straßenlärm und Laubsauger im Herbst - ich höre selten, daß Menschen in Deutschland über religiösgeistige Fragen nachdenken.

Wie aber die Tatsache bewerten, daß das theologische Streitgespräch nicht vorkommt in unseren Tagen? Die meisten von uns tragen irgendeine Privatreligion in der Hosentasche, wollen darüber sich nicht austauschen und sich schon gar nicht mit anderen darüber auseinandersetzen.

Es ist zur Zeit, in Deutschland jedenfalls, kaum die Bereitschaft vorhanden, über Glauben (Religion) ins Gespräch zu kommen. Das Nicht-Vorhandensein der theologischen Auseinandersetzung könnte einerseits sprechen für die Flachheit und geistige Unfruchtbarkeit unserer Zeit – könnte aber auch bedeuten, daß in der Tiefe etwas sich zusammenbraut, was dann, einmal ans Tageslicht getreten, als vollkommen neue Theologie sich erwiese.

Vielleicht (und das ist meine persönliche Überzeugung) werden wir bald leidenschaftlich über Fragen des Glaubens lautstark (oder weniger lautstark, vielleicht auch still und sehr bestimmt und tief konzentriert) miteinander reden. Vielleicht in zehn Jahren, oder morgen bereits, vielleicht in zwanzig Jahren? Ich weiß es nicht.

Aber irgendetwas kommt, das meine ich sehr bestimmt wahrnehmen zu können. Eine neue geistige religiöse Kultur wird unser Land erfassen. Ich denke nicht nur an Universitäten oder andere Einrichtungen des geistigen Lebens. Ich denke nicht nur an die Feuilletons der Zeitungen.

Ich bin überzeugt, daß Taxifahrer und Zahntechniker, Gärtner und Erzieherinnen, Briefmarkensammler und Fußballprofis, ach, daß alle, alle (eine größere Zahl der Bewohner Deutschlands jedenfalls) wieder über Jesus nachdenken und sich fragen werden, was es bedeutet, daß er, der Christus (d.h. verdolmetscht: der Messias), in die Welt gekommen, in das Leben der Menschen hineingeboren worden ist (daß das Heilige in unser Hiersein hereingebrochen und dieses verklärt hat).

Sie sehen: ich glaube nicht an den Niedergang des Geistes – die Auffassung liegt mir fern, alles sei flach und verkommen und langweilig und tot die Menschen würden nur, und dies von Tag zu Tag intensiver, der Zerstreuung, der Müdigkeit, der geistigen Faulheit, der totalen Langeweile gehören. Ich ziehe es vor, vom „Geheimniszustand“ aus (ein Begriff, den der Dichter Novalis prägte) die Dinge anzuschauen und zu betrachten.

Was wir als Oberflächlichkeit begreifen, könnte sich herausstellen als Morgendämmerung. Vielleicht bedeutet 'Weihnachten' zuallererst, daß wir wieder ein ausgesprochen persönliches Verhältnis Gott gegenüber suchen. Daß wir, beim Anblick von Baum und Krippe, von Kerzenlicht und heiliger Nacht, die Hände wieder falten und leidenschaftlicher beten, als je zuvor.

Vielleicht bedeutet 'Weihnachten', daß wir wieder nachdenken über Worte etwa eines Dichters: „Es gibt Gott, und das ist unglaublich. Gott hat eine Stirn, Lippen, ein Bett, eine Mutter, und das ist unglaublich.“

Ich wünsche Euch allen gesegnete Weihnachtstage; möge eine messianische Sehnsucht in Euch glühen; möge alles nach Geburt und Christus duften – weinet nicht; habt keine Angst! Euch ist ein Heiland heut geborn.

Euer Pfarrer Ulrich Fentzloff