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25.9.2018 : 13:30 : +0200

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Pfarramt Langenargen

GEMEINDEBRIEF Sommer 2018

Liebe Gemeinde zu Langenargen und Eriskirch,

Hölderlin besingt den in himmlische Sphären entschwindenden Christus am Ende seines großen Hymnus ‚Brot und Wein‘: Der Dichter sieht, wie Christus die Erde verlässt, sich der Welt der Sichtbarkeit entzieht. Allerdings geht Christus nicht, ohne etwas zurückzulassen: 
Er lässt „zum Zeichen, dass er einst dagewesen und wiederkäme… einige Gaben zurück, derer menschlich, wie sonst, wir uns zu freuen vermöchten: Brot ist der Erde Frucht, doch ist’s vom Lichte gesegnet. Und vom donnernden Gott kommet die Freude des Weins.“ 

Für Hölderlin sind die große ‚Hinterlassenschaft‘ des Christus die Gaben des Abendmahls in Brot und Wein. Ich selbst möchte die Taufe mit hinzunehmen: Beide Sakramente sind christus-gegeben. Beide rufen die Gegenwart des Christus auf Erden in Erinnerung. Sie sind es auch, welche die Gemeinde in sehnsüchtige Erwartung versetzen: Der himmlisch entschwundene Christus wird wiederkommen! Vor allem aber: Beide sind Zeichen einer tiefgründigen Freude, weil sie von der geheimnisvollen Gegenwart Jesu in den sichtbaren, greifbaren Elementen von Brot, Wein und Wasser künden. Der himmlische Christus hat sich unserer Welt nicht einfach entzogen: Er ist noch immer da! Den Augen der Welt zwar verborgen, die Augen des Glaubens aber vermögen ihn in den Zeichen der beiden Sakramente noch immer zu erblicken.

Taufe, Abendmahl: beides Gaben des auferstandenen Christus selbst!

Deshalb kommt ihnen eine ureigene Hoheit und Würde zu. Diese besondere Hoheit und Würde ist in der Geschichte der Kirche leider immer wieder verdunkelt worden. Mit Recht haben darum die Reformatoren die Zahl der Sakramente wieder auf diese zwei begrenzt: Mögen aus der Gewohnheit der Gemeinde, aus der Tradition der Kirche gewachsene Riten noch so eindrücklich und sinnvoll sein: Sie sind uns nicht aus der Hand Jesu selbst in die Hände gelegt. Und darum kann ihnen nie und nimmer der Rang zukommen, den Taufe und Abendmahl besitzen.

Als Verdunkelung und Irrweg – die Ökumene leidet bis heute darunter – haben sich auch Versuche erwiesen, die Art und Weise der Gegenwart Christi in Brot und Wein mit dem Instrumentarium sezierender Begriffe genau zu bestimmen: Als ob ein Sakrament auf den Operationstisch begrifflicher Analytik gelegt und erforscht werden könnte! Als Verdunkelung und Irrweg verstehe ich allerdings zuletzt theologische Bedenken und Zweifel dahingehend, dass man die Wirksamkeit eines Sakraments ganz von der jeweiligen religiösen Gestimmtheit des Empfangenden abhängig sieht.

Gewiss hat Christus seine Gaben in die Hände der Gemeinde gelegt. Aber doch nicht in der Weise, dass er damit aufhören würde der Gebende zu sein! Wenn also eine menschliche Hand Brot austeilt und uns den Kelch reicht, dann bleibt es die Hand des Auferstandenen, von der wir letztendlich diese Gaben empfangen! Und wenn sich die Hand eines Pfarrers taufend über die Stirn eines Kindes legt, so ist dabei doch die Hand Christi die eigentlich spendende! Wie, diese Hand des Auferstandenen ohne Bedeutung?!? Ohne Kraft?!? Ganz ins Belieben und Meinen des Empfangenden gestellt?!? Und nur für denjenigen da, der sie glaubend erschaut?!?

Ich meine, es kann nicht die Aufgabe der Gemeinde Jesu Christi sein, seine Gegenwart in Sakrament und Wort in Zweifel zu ziehen. Das tun andere schon genug. Unsere Aufgabe kann nur sein, Christi geheimnisvolle Gegenwart zu bekennen, sie – wann und wo Gott will – zum Leuchten zu bringen und sich von ihr erleuchten zu lassen. 

Es grüßt Sie alle herzlich 

Ihr Pfarrer Matthias Eidt